27. Ausgabe der InterClassics Maastricht lässt Auto-Kultmarken wiederauferstehen

Von Donnerstag, dem 16., bis einschließlich Sonntag, dem 19. Januar 2020, kann man auf der InterClassics Maastricht im MECC Maastricht in Erinnerungen an verschwundene, doch unvergessene Auto-Kultmarken schwelgen. ‘Forgotten Classics – Epic designs from the past’ lautet das Thema der 27. Ausgabe der Oldtimer-Messe, die inzwischen zu den größten Oldtimer-Veranstaltungen im Benelux-Raum gehört. Im Themenbereich der Messe begeben sich die Besucher auf einen ‘trip down memory lane’: 24 atemberaubend schöne Modelle der erinnerungswürdigsten nicht mehr bestehenden Automarken sind dort ausgestellt, darunter Wagen von Talbot Lago, Invicta, Saab, Hispano Suiza, Spyker, Voison, Bristol, Horch und Studebaker. Diese Automobile wurden von verschiedenen internationalen Museen und Privatsammlern zur Verfügung gestellt. Neben diesen 24 ‘vergessenen Klassikern’ gibt es ein großes Angebot von mehr als 800 Oldtimern und Youngtimern, die man bewundern und/oder kaufen kann. Diverse Markenclubs sind vertreten, Klassiker aus unterschiedlichen Preiskategorien werden versteigert und die erste Ausgabe der Sim Formula Europe findet statt. Diese Veranstaltung, die parallel zur Messe läuft, bietet spannende Erlebnisse und vermittelt ein Bild von der Welt des E-Sports und Simracings. Europas beste Simracer treten auf dem Podium live gegeneinander an und liefern sich packende Rennen.

Zu den Topmodellen der Messe gehören:

Invicta S-Type, 1932
Die Qualität eines Rolls Royce gekoppelt mit der Leistungsfähigkeit eines Bentley

Invictas Gründer Noel Macklin wollte ein Auto produzieren, das die Qualität eines Rolls Royce mit der Leistungsfähigkeit und dem Handling eines Bentley verband. Er versuchte, die britischen Vorzüge guter Straßenlage und Zuverlässigkeit mit dem amerikanischen Anspruch an Leistungsfähigkeit und Laufruhe des Motors zu kombinieren. Das Auto wurde 1930 auf der London Motor Show vorgestellt. Es bestand aus den besten verfügbaren Materialien, wie einem enorm stabilen Chassis aus Nickelstahl und massiven, hochwertigen Bronzeguss-Teilen. Der S-Type wurde von einem Meadows 4,5 Liter-Sechszylindermotor angetrieben. Es wurden nur 70 S-Types produziert, davon waren schätzungsweise 30 Carbodied Tourers. Invictas wurden oft bei Rennen, Rallyes, Hill Climbs und Geschwindigkeitstests eingesetzt. 1931 gewann Donald Healey die prestigeträchtige Rallye Monte Carlo in einem S-Type, im Jahr darauf holte er den zweiten Platz. 1932 fuhr Invicta den Rundenrekord auf der Brooklands-Rennstrecke und die schnellsten Zeiten beim Shelsley Walsh Hill Climb und dem Stelvio Pass Hill Climb. Auch gab es zahlreiche internationale Alpine Trial-Siege. Dieser Wagen wurde von einem Privatsammler zur Verfügung gestellt.

Invicta Stype800x600
Talbot Lago Grand Sport Coupé Saoutchik, 1948
Einer der avantgardistischsten Entwürfe der Automobilgeschichte

An dieses Auto können keine normalen Maßstäbe angesetzt werden. Dieser Talbot Lago ist eine automobile Skulptur. Pure Kunst. Funktion folgt hier Form und nicht umgekehrt. Die extravagante Formensprache stammt von Jacques Saoutchik, einem aus der Ukraine geflüchteten Tischler, der 1906 bei Paris seinen eigenen Karosseriebetrieb gründete. Sein Ziel war, an die Spitze der Automobilindustrie zu gelangen, was ihm in den 1920er Jahren schließlich gelang. Seine Entwürfe gelten seitdem als die avantgardistischsten der Automobilgeschichte. Die übertriebenen, fast sinnlichen Formen und der großzügige Einsatz von Chrom kennzeichnen Saoutchiks Entwürfe. Man beachte die extreme Wölbung der Radkästen, die subtilen Kotflügelflossen und die vielen Chromakzente. All das erinnert an die ausladende Gestaltung in den 1930er Jahren, doch in den Jahren direkt nach dem 2. Weltkrieg war das nicht mehr angebracht. Die Welt war mit dem Wiederaufbau beschäftigt und hatte keinen Platz für derartig kostspielige Autos. Nur 36 Grand Sports wurden gebaut. Antonio Lago, der italienische Major a. D. und Ingenieur, der 1935 die in Schwierigkeiten geratene französische Marke Talbot kaufte, hatte die Chancen für die Zeit nach dem 2. Weltkrieg falsch eingeschätzt. Die Marke fuhr noch einige Rennerfolge ein, doch es ging schnell bergab. Talbot Lago wurde 1959 von Simca übernommen. Einige Jahre zuvor hatte Saoutchik sich bereits zur Ruhe gesetzt. Dieses Auto wurde vom Louwman Museum in Den Haag zur Verfügung gestellt.

Talbot Lago